Aus der Gaming-Szene kommt der Tipp, den sogenannten High Precision Event Timer (HPET) zu deaktivieren. Denn hochpräzise ist da gar nichts. Nur bleibt bei Windows 11 Pro die Abschaltung von HPET wirkungslos! Der messtechnische Beweis folgt im Praxisteil. Und auch, mit welchem Betriebssystem ein sensationell gutes Timing gelingt. Ist das Hörbar? Und wie!
In den Grundlagen schauen wir uns vorher die unterschiedlichen PC Timer Funktionen und die verschiedenen Windows Betriebssysteme an.
Grundlagen
PC Timer
Historisch gewachsen gibt es unterschiedliche Timer im PC, die per Software angesteuert werden können.
TSC – Time Stamp Counter
Der TSC ist ein 64-Bit-Zähler in jedem Core der CPU, der ab dem Reset kontinuierlich hochzählt. Er zählt die CPU-Takte (oder einen davon abgeleiteten konstanten Takt). TSC ist extrem schnell (nur wenige CPU-Zyklen) und pro CPU-Kern vorhanden. Meist als Invariant TSC und synchronisiert zwischen Cores. Die Zugriffszeiten liegen bei sehr niedrigen ~10-40 ns.
Ein wichtiges Konzept bei der Arbeit mit TSC ist der invariante TSC. Die meisten modernen Prozessoren implementieren oft einen invarianten TSC, der mehrere Vorteile für Zeitmessungen bietet. Der invariante TSC arbeitet mit konstanter Geschwindigkeit, unabhängig von CPU-Leistungszustands- oder Frequenzänderungen, was ihn für Timing-Messungen zuverlässiger macht. Bei Mehrkern- und Multi-Socket-Systemen ist die invariante TSC typischerweise über alle Kerne und Sockeln hinweg synchronisiert, um konsistente Messwerte zu gewährleisten.
HPET – High Precision Event Timer
HPET ist im Chipsatz auf dem Mainboard angesiedelt. Ein HPET-Chip besteht aus einem 64-Bit-Up-Counter (Hauptzähler), der bei einer Frequenz von mindestens 10 MHz zählt, und einer Reihe von (mindestens drei, bis zu 256) Komparatoren. Diese Komparatoren sind 32 oder 64 Bit breit. Die tatsächliche Frequenz wird dem Betriebssystem durch ein Hardware-Register bereitgestellt, das die Anzahl der Femtosekunden pro Periode angibt (mit einer oberen Schranke von 100.000.000 fs). Ein beliebter Wert ist 14,318 MHz (12 x 1,19318 MHz).
Damit dient HPET als zentrale Instanz und nicht pro Core. HPET ist sehr langsam im Zugriff mit ~500-1.000 ns. Dadurch erzeugt der Timer höhere Latenzen & Jitter und kann Audio-Dropouts verursachen. Er dient grundsätzlich als Fallback-Timer, wenn TSC nicht verfügbar oder vertrauenswürdig ist.
PM Timer – ACPI Power Management Timer
Das Advanced Configuration and Power Interface (ACPI) ist ein offener Industriestandard für die Energieverwaltung in Desktop-Computern, Notebooks und Servern. Das ist ein alter ACPI-Timer, meist mit 3,579545 MHz und 24- oder 32-Bit breit. Dieser Timer ist zwar extrem zuverlässig, aber sehr langsam mit Zugriffszeiten von > 1 µs (1.000 ns).
Wichtige Modi im ACPI-Standard steuern die Energiesparzustände und haben Auswirkungen auf die Latenzen
Prozessorzustände (CPU-States)
| C-State | Name | Latenz zu C0 | Leistungsaufnahme |
|---|
| C0 | Arbeitszustand (Operating Mode) | | 100 % |
| C1 | Angehalten (Halt) | ≈ 1 µs | 40 % |
| C1E | Erweiterter Halt (Enhanced Halt) | ≈ 1–2 µs | 35 % |
| C2 | Gestoppter Takt (Stop Clock) | ≈ 59 µs | 30 % |
| C2E | Erweiterter Stop (Extended Stop) | ≈ 70 µs | 28 % |
| C3 | Tiefer Schlaf (Deep Sleep) | ≈ 85 µs | 26 % |
| C4 | Tieferer Schlaf (Deeper Sleep) | ≈ 150 µs | 24 % |
| C4E/C5 | Erweiterter tiefer Schlaf (Enhanced Deeper Sleep) | ≈ 250 µs | 22 % |
| C6 | Tiefes Abschalten (Deep Power Down) | ≈ 300 µs | 19 % |
| C7 | Tieferes Abschalten (Deeper Power Down) | ≈ 400 µs | 15 % |
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Advanced_Configuration_and_Power_Interface
System Timer Resolution
Windows ist kein Echtzeitbetriebssystem. Das Interrupt Standardintervall beträgt 15,625 ms (1.000 ms geteilt durch 64). Interrupt ist eine kurzfristige Unterbrechung der normalen Programmausführung, um einen kurzen und zeitkritischen Vorgang abzuarbeiten (Unterbrechungsanforderung). Das Ganze funktioniert meist asynchron und kann im schlimmsten Fall auch den gesamten Ablauf nachhaltig, also bemerkbar, stören. Wenn ein Gerät bedient werden möchte, kann es so eine Unterbrechungs-Anforderung jederzeit auslösen.
Für Audio ist es im allgemeinen besser das Intervall so kurz wie möglich zu halten. Unter Windows sind das maximal 0,5 ms. Oft sorgen im Vordergrund arbeitende Programme von sich aus schon für kürzere Intervalle. Zum Beispiel arbeiten Browser gern mit einer Auflösung von 1,0 ms.
Fazit
Für die zeitrichtige Verarbeitung sind die Clocks im PC elementar. Hier gibt es wesentliche Unterschiede, die vor allem hinsichtlich der Latenzen und Genauigkeit wichtig sind. TSC ist der schnellste Timer und sollte bevorzugt werden.
| Merkmal | TSC | HPET | PM Timer |
|---|
| Ort | CPU-Register (CPU-Die) | Chipsatz (PCH / SoC) | Chipsatz (PCH / SoC) |
| Frequenz | CPU-abhängig / invariant | ~10–14 MHz | 3,58 MHz |
| Latenz | ~10 ns | ~500–1000 ns | >1 µs |
| Auflösung | Sehr hoch | Hoch | Niedrig |
| Multicore-fähig | Ja | Nein | Nein |
| Heutige Nutzung | Standard | Fallback | Notfall |
| Audio-Latenz | Sehr gut | Schlecht | Sehr schlecht |
Außerdem werden wir im Praxisteil sehen, dass es hilft, die System Timer Resolution auf maximal kurze Intervalle von 0,5 ms einzustellen.
Windows Versionen
Nachfolgend beschränke ich mich auf die wichtigsten Unterschiede der Windows Versionen und den Nutzen für Audio.
Windows 10 / 11
Windows 10 und Windows 11 richten sich primär an Endanwender, Unternehmen und Bildungseinrichtungen, die ein vielseitiges und verbreitetes Betriebssystem benötigen. Windows 10 sollte eigentlich das „letzte“ Windows sein und ständig weiter entwickelt werden. Stattdessen wurde der Support abgekündigt, bzw. nur noch im begrenzten Umfang und Zeitraum zur Verfügung gestellt. Windows 11 als Nachfolger erhält immer mehr KI-Funktionen, die auch nicht jedem gefallen. Die permanente Sendung von sogenannten Telemetriedaten an Microsoft, macht das System sehr geschwätzig. Für Audio ist das OS völlig überfrachtet und muss mühsam abgespeckt werden. Siehe hierzu: Windows für den Audio PC optimieren.
Windows Server
Die Windows‑Server‑Versionen 2012, 2016, 2019 bis 2025 sind hingegen für professionelle IT‑Infrastrukturen konzipiert. Windows Server 2012 war ein wichtiger Schritt in Richtung Virtualisierung und Cloud‑Integration. Windows Server 2016 kam mit neuen Funktionen wie Shielded VMs und Nano Server. Windows Server 2019 baute diese Grundlagen aus und richtete sich besonders an hybride Umgebungen, die lokale Rechenzentren mit Azure‑Diensten (Cloud-Plattform) verbinden. Windows Server 2022 schließlich setzt den Schwerpunkt auf Zero‑Trust‑Sicherheit und erweiterte Container‑Funktionen. Windows Server 2025 ist die elfte Version von Windows Server und basiert auf der LTSC-Version 24H2 von Windows 11 und hat eine verbesserte Sicherheitsarchitektur. Die Zielgruppe dieser Server‑Versionen sind IT‑Abteilungen, Rechenzentren, Hosting‑Provider und Unternehmen, die stabile, sichere und langfristig unterstützte Serverplattformen benötigen.
Die Server Editions erfreuen sich für Audio großer Beliebtheit, weil sie mit unnützen Funktionen nicht so überfrachtet sind. Allerdings sind sie komplizierter einzurichten. Je nach Hardware kann es schwierig werden, die richtigen Treiber zu finden.
Windows IoT Enterprise
Windows IoT Enterprise wiederum ist speziell für Gerätehersteller und industrielle Anwendungen gedacht. Es basiert technisch auf Windows 10 bzw. Windows 11, ist jedoch für den Einsatz in spezialisierten, oft langlebigen Embedded‑Systemen optimiert – etwa in Kiosksystemen, Industrieanlagen, Medizingeräten oder Kassensystemen. Laut Microsoft richtet sich Windows IoT Enterprise an Gerätehersteller und IT‑Profis, die robuste, abgesicherte und langfristig unterstützte Plattformen für dedizierte Geräte benötigen. Der Nutzen liegt in der Kombination aus voller Windows‑Kompatibilität, langfristigen LTSC‑Versionen, erweiterten Sicherheitsfunktionen und der Möglichkeit, Geräte stark zu sperren und zu kontrollieren.
Windows IoT Enterprise bietet sowohl GAC (General Availability Channel) als auch Long-Term Servicing Channel (LTSC) Optionen, LTSC bietet einen 10-Jahres-Supportlebenszyklus für Geräte mit fester Verwendung, auf denen Änderungen an Funktionen nicht wünschenswert sind. Letzteres nutzt zum Beispiel Taiko Audio für seinen Extreme Server. Für die Installation ist ein ausgeprägtes IT-Wissen erforderlich.
Fazit
Windows 10/11 ist weit verbreitet und es gibt sehr viele kostenlose Zusatzprogramme. Allerdings ist das Betriebssystem überfrachtet. Im Task-Manager werden oft mehr als 160 Prozesse angezeigt. Mit Telemetrie-Daten wird der Nutzer ausgespäht. Der Copilot (KI) wird immer mehr ausgebaut, welcher zusätzlich Ressourcen benötigt.
Windows Server haben weniger Ballast (meist um die 60 Prozesse), sind aber komplizierter einzurichten und manche Treiber für die Hardware fehlen.
Windows IoT Enterprise ist das Non plus ultra, weil nur die wirklich benötigten Dienste installiert werden müssen. Ohne IT-Kenntnisse bleibt das aber sehr schwierig.
Praxis
Grundeinstellungen im BIOS
Wenn du meine Tests nachvollziehen möchtest, sind einige Vorarbeiten notwendig. Die nachfolgend genannten Einstellung sind universell für den Audiobetrieb deines PC mit geringsten Latenzen und Jitter.
Die Einstellungen habe ich hier ausführlich erläutert: DIY – BIOS Konfiguration fis Audio PC. Zusammengefasst sind das die wichtigsten Einstellungen:
Konfiguration der Onboard-Komponenten
- LEDs ausschalten
- VGA Detection ausschalten
- WLAN und Bluethooth ausschalten
- SATA ausschalten
- Onboard-Audio ausschalten
- Onboard LAN optional ausschalten
Konfiguration Overclocking (OC)
- P-Core Ratio begrenzen
- E-Core Ratio begrenzen
- CPU Ratio Mode auf fest einstellen
- Arbeitsspeicher XMP-Profil setzen
- C-States Disabled
Grundeinstellungen im Windows Betriebssystem
Die nachfolgend genannten Einstellungen sind weitgehend unabhängig von der genutzten Windows Version, wobei nicht alle Einstellungen gleich wirken. Beschrieben habe ich die Einstellungen hier: Windows für den Audio PC optimieren. Zusammengefasst sind das die wichtigsten Einstellungen:
- Energieoptionen auf Höchstleistung einstellen
- HPET (High Precision Event Timer) deaktivieren
- Überflüssige Programme deinstallieren
- Telemetrie-Informationen in der Aufgabenplanung abschalten
- virtuelle Auslagerungsdatei deaktivieren
- Löschen und Deaktivieren der Ruhezustandsdatei
- Speicherkomprimierung im Arbeitsspeicher deaktivieren
- Windows Dienste reduzieren
- Latenzminimierung (System-Timer-Auflösung auf 0,5 ms)
- Priorisierung und Kernisolation z. B. mit Process Lasso
PC Clock Timing messen
Das Ziel ist ein regelmäßiges und präzises Timing mit geringsten Latenzen. Damit du die Auswirkungen deiner Einstellungen siehst, ist eine objektive Messung sinnvoll. Die Latenzen im Computer kannst du mit folgendem kostenlosen Tool messen: PC Clock Frequencies (David Taylor).
Das Programm besteht aus zwei Bildschirmen. Der Startbildschirm ist wie unten abgebildet. Klicke auf die Schaltfläche „Refresh“, damit die Werte geladen werden. Den „Plot“ als zweiten Bildschirm erkläre ich später.
Nachfolgend gehe ich auf zwei wichtige Messwerte ein:
Performance counter frequency: 3,1125 MHz
Das ist die Frequenz des High-Resolution Performance Counters, den Windows für QueryPerformanceCounter (QPC) verwendet. Die Formel lautet: 3187,15 MHz (CPU Speed) / 1024 und bedeutet hier, dass Invariant TSC aktiv ist (HPET ist deaktiviert).
GetSystemTimeAsFileTime resolution: 499,9 µs (std.dev = 0,1 µs)
Eingestellt ist eine System-Timer-Auflösung von rund 0,5 ms (499,9 µs).
Wichtig ist die Standardabweichung (Standard Deviation) der gemessenen Intervalle zwischen zwei Aufrufen von GetSystemTimeAsFileTime: std.dev = 0,1 µs. Die hier gezeigte sehr geringe Streuung bedeutet, dass die Zeitquelle stabil ist, also nicht oder nur sehr gering schwankt. Die Standardabweichung ist also ein statistisches Maß dafür, wie stark einzelne Messwerte um ihren Mittelwert streuen.
Zusammengefasst: Die hier gemessenen Zeitintervalle um 500 µs weichen typischerweise um etwa ±0,1 µs vom Mittelwert ab. Die Standardabweichung beschreibt also Jitter / Schwankung, nicht die Auflösung selbst.
Windows 11 Pro
Bisher hatte ich Windows 10 Pro und später den Nachfolger Windows 11 Pro im Einsatz. Natürlich optimiert wie oben beschrieben. Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, dass die mir bekannten Methoden für eine Deaktivierung von HPET keine Wirkung zeigten. Eine der gängigsten Methoden ist sicher dieser Powershell Befehl: bcdedit /set useplatformclock no
Dieser Eintrag geht in den Bootloader, deshalb musst du das System neu starten. Um zu sehen, ob die Einstellung wirksam ist, gibst du in Powershell diesen Befehl ein: bcdedit /enum. Hier muss dann useplatformclock no stehen.
Wie komme ich jetzt darauf, dass HPET nicht wirklich deaktivert ist? Aufgrund der Messung mit dem Tool: PC Clock Frequencies!
Wir sehen oben im Bild Performance counter frequency: 10 MHz. Hier wird also ganz offensichtlich weiter der Systemtakt vom Motherboard genommen, also HPET. Bei einer GetSystem TimeAsFileTime resolution: 500,0 µs war trotz aller Optimierungen nur eine std.dev = 64,2 µs zu erreichen. Den Grund siehst du im Plot rechts, dass sind die Spitzen, die ab 500,0 µs in den 1000,0 µs Bereich kommen. Unten in der Fußzeile steht: Mean from 1967 „clean“ intervals, median & std. dev, over 2000 intervals. Also 1967 Intervalle von insgesamt 2000 waren fehlerfrei.
Zoomt man in den Plot näher herein (linke Maustaste festhalten und gewünschten Ausschnitt markieren), sieht man ein recht unruhiges Muster mit überschießenden Spitzen.
Das hört sich alles nicht tragisch an, aber wir kommen zum Schluss auch noch zum Klangvergleich. Vorher sehen wir uns den Windows Server 2016 an.
Windows Server 2016
Installation
Die Installation ist eigentlich recht einfach. Auf dieser Microsoft-Seite erhältst du die gewünschte ISO: Wählen Sie den gewünschten Windows Server 2016-Download. Diese ISO brennst du mit Rufus auf einen bootbaren USB Stick.
Ein wichtiger Tipp: Für die Installation nimmst du als Ziel eine zweite leere SSD! So kannst zwischen deinen Windows Versionen später wechseln.
Nach Änderung der Bootreihenfolge im BIOS wurde ich durch das Installationsprogramm geführt und es gab keine Probleme. Die Updates habe ich alle installiert und auch hier gab es keine Probleme. Wer Windows 10/11 kennt, wird sich schnell zurechtfinden. Einzig der Server-Manager ist neu.
Etwas kniffelig wurde es mit dem Roon Server. Der ließ sich erst nicht installieren.
Das ging dann tatsächlich erst mit dem Server-Manager. Und damit ließ sich Roon installieren.
Nach einigen Optimierungen sorgte aber genau das .NET Framework für Ärger, zu sehen an erhöhten Systemaktivitäten im Task-Manager. Das scheint wohl öfters vorzukommen, denn dafür gibt es das Microsoft .NET Framework Repair Tool:
Was mir noch nicht gefällt ist, dass ich im Geräte-Manager für 4 Hardware-Komponenten noch nicht die passenden Treiber gefunden habe. Aber die Solarflare Treiber ließen sich problemlos installieren. Den unnützen Kram habe ich deaktiviert und es läuft ohne Störungen.
Für die Installation habe ich die Evaluation Version von Windows Server 2016 Standard verwendet. Nach der Installation kannst du die Version für 180 Tage testen. Der Start der 180 Tage Testperiode erfolgt automatisch, sobald dein PC erstmals Verbindung mit dem Internet hat. Den verbleibenden Testzeitraum kannst du durch folgende Eingabe in der PowerShell anzeigen lassen: slmgr -dli
Der verbleibende Testzeitraum sollte aber auch im Desktop unten rechts erscheinen.
Die Testperiode kannst du um weitere 180 Tage verlängern, und zwar bis zu 3 Jahre (6 x 180 Tage). Der Powershell-Befehl dafür lautet: slmgr -rearm. Du kannst jederzeit eine Vollversion lizensieren.
HPET wirksam deaktiviert
Nach Durchführung der Windows Optimierungen unter anderem mit der Deaktivierung von HPET habe ich ein erfreuliches Ergebnis erhalten: HPET wurde wirksam deaktiviert und TSC ist aktiv. Das konnte ich mit dem Tool PC Clock Frequencies verifizieren, weil die Performance counter frequency bei 3,112503 MHz stand. Wäre HPET weiter aktiv, wäre es ein Wert zwischen 10 MHz und 14 MHz gewesen. Es gibt übrigens keinen Schalter zur Aktivierung von TSC. Dieser Modus wird nur durch die Deaktivierung von HPET erreicht. Das ist meines Erachtens schlicht ein Designfehler von Windows und deshalb funktioniert es vermutlich nicht in Windows 11.
PC Timing Test
Und siehe da, der Plot unten sieht traumhaft glatt aus. Bei einer GSTAFT mean resolution: 500,0 µs steht nun std.dev = 0,1 µs! Unten in der Fußzeile steht: Mean from 2000 „clean“ intervals, median & std. dev, over 2000 intervals. Also waren alle 2000 Intervalle fehlerfrei.
Sehr dicht herangezoomt siehst du ein typisches Nähmaschinenmuster. Wichtig ist, dass das Muster gleichmäßig ist und es keine übschießenden Spitzen gibt:
Du fragst dich vielleicht, warum ich ausgerechnet Windows Server 2016 verwendet habe, warum nicht etwas Neueres wie Windows Server 2019? Diese Frage wurde in einem Forum beantwortet. In Tests waren nur die Windows Server 2012 und 2016 in der Lage, HPET wirksam zu deaktiveren und durchgängig TSC zu nutzen.
Die Auswirkung unterschiedlicher System-Timer-Auflösungen
Als letzter Test steht die Änderung der System-Timer-Auflösung an. Im Standard sind es 15,625 ms. Schau dir unten im Bild die große Spitze an, die von den 15,625 ms auf 0 ms runtergeht. Das hat Konsequenzen auf die Abweichung: std.dev = 1540,3 µs!
Von 102 Intervallen sind 101 clean. Es gibt also wirklich nur diesen einen Ausreißer. Wenn du die Messreihe mehrfach durchführst, wirst du auch Zyklen erwischen, bei denen alle Intervalle clean sind. Der Grund liegt beim hohen Interrupt Intervall von 15,625 ms, die im selben Messzeitraum nur 100 Intervalle zulässt.
Ganz anders ist es bei der maximalen Auflösung des Systemzeitgebers auf 0,5 ms, welches im Messzeitraum 2000 Intervalle zulässt. Durch die deutlich kürzere Taktung lassen sich mehr Daten verarbeiten. Hier haben wir wieder eine std.dev von 0,1 µs.
Klangvergleich
Gute Messungen sind nicht immer ein Indiz für einen guten Klang, aber bei schlechten „relevanten“ Messungen ist durchaus eine gewisse Wahscheinlichkeit für schlechteren Klang gegeben. Letzten Endes entscheiden bei mir immer meine Ohren, ob etwas bleiben darf.
Ich hatte da jetzt keine große Erwartungshaltung, denn meine Anlage hörte sich für mich auch mit Windows 11 Pro sehr gut an, weil das Upsampling auf dem anderen Rechner erfolgt und der Endpunkt ein rauscharmer Einplatinencomputer mit niedrigen Taktfrequenzen ist.
Ich habe aber oft die Erfahrung gemacht, dass man solange nichts vermisst, bevor man es nicht besser gehört hat. 🙂
Mein Anlagensetup
Im Prinzipienbild unten ist es der Control PC links, der mit dem linearen Netzteil FARAD Super10 mit sauberem Strom versorgt wird. Auf diesem läuft Windows 11 Pro, welches durch Windows Server 2016 ersetzt wurde. Auf dem eigentlichen Audio PC rechts läuft das schlanke HQPlayer OS mit einem Linux Echtzeit-Kernel. Hier wird die Schwerstarbeit mit dem Upsampling auf DSD1024 verrichtet. Der Endpunkt ist ein im DAC integrierter rauscharmer NanoPi NEO4 (rechts mittig im Bild), der über NAA (Network Audio Adapter von HQPlayer) mit dem Audio PC verbunden ist.
Mein Hörraum ist akustisch optimiert, siehe mein Blog: Die Umsetzung meines neuen Hörzimmers
Dual Boot nutzen
Das Booten der unterschiedlichen Windows-Versionen war mit Dual Boot (siehe erweiterte Systemeinstellungen im Bild unten) ohne Bildschirm problemlos möglich, so dass mit unveränderter Hardware in gleicher Lautstärke und Ausgabeformat (DSD1024) der Vergleich stattfinden konnte. Dafür muss natürlich die ursprüngliche SSD mit dem Betriebssystem Windows 11 Pro im Motherboard eingebaut bleiben.
Windows 11 Pro vs. Windows Server
Und damit komme ich jetzt zum Klangvergleich (in meinem System mit meinen Ohren), bei dem ich mir sehr gut bekannte Titel jeweils kurz angespielt habe:
Nachdem ich die vergangenen Tage mit Windows Server die Musiktitel ausgewählt und dem Audio PC zugespielt hatte, begann ich im Test mit Windows 11 Pro.
Bei Mercedes Sosa war ich schon mal verblüfft, dass sich die Trommel im Hintergrund leicht topfig anhörte. Der Chor hatte weniger Räumlichkeit. Die anderen Titel rissen mich klanglich auch nicht vom Hocker.
Schnell neu wieder mit Windows Server 2016 gebootet und Hoppla: Bei der Trommel in Misa Criolla konnte ich auf einmal den Anschlag auf das Trommelfell hören. Der Bass war wesentlich präziser, beim Chor waren die Männerstimmen differenzierter und räumlicher zu hören. Bei Dominique Fils-Aimé und bei Chris Jones waren die Instrumentenseparierung und der Bass besser. American Beauty präsentierte die Transienten bei den kurz angeschlagenen Trommeln präziser.
Fazit
Ich bin immer wieder verblüfft, welche Verbesserungen schon viel weiter vorne an der Quelle möglich sind, trotz asynchroner Datenübertragungsmechanismen, dualem PC-Design, Reclocking und galvanischer Trennung per LWL. Das präzisere Timing des Windows Server 2016 hilft und bleibt jetzt so.
Zusammenfassung
Im PC arbeiten verschiedene Clocks. Der TSC – Time Stamp Counter befindet sich in der CPU und ist am schnellsten und genauesten. Der HPET – High Precision Event Timer und der PM Timer – ACPI Power Management Timer sind zentral im Chipsatz des Motherboards angesiedelt und ungenau und langsam.
Egal welches Betriebssystem du nimmst, die Grundeinstellungen im BIOS und in der Software sollen für eine konstante zeitgenaue Datenverarbeitung mit geringsten Latenzen sorgen. Außer ein wenig Mühe kostet das nichts. Die System Timer Resolution sollst du stets auf 0,5 ms verringern.
Die Messungen mit dem Tool PC Clock Frequencies zeigten bei Windows 11 Pro eine große Überraschung! Trotz Deaktivierung von HPET war dieser schlechte Timer trotzdem noch aktiv. Die Folge waren hohe Abweichungen im Timing (Jitter).
Erst mit dem Windows Server 2016 gelang eine Abschaltung von HPET und die sehr genaue Clock von TSC wurde verwendet. Die Messungen zeigten einen linearen Verlauf mit geringsten Standardabweichungen. Der Klangvergleich zwischen Windows 11 Pro und Windows Server 2016 deckte einen deutlich hörbaren Unterschied zu Gunsten der Server-Version auf.
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