Die Akustik in symmetrischen und asymmetrischen Räumen

Ich habe zwei Hörräume mit unterschiedlichen Symmetrien und speziellen Anforderungen an die Raumakustik. Da viele ihre Anlage beispielsweise im Wohn-/Esszimmer mit asymmetrischer Raumaufteilung aufstellen müssen, können meine Erfahrungswerte hilfreich sein.

In den Grundlagen sehen wir uns an, warum die Raumakustik so wichtig ist. Im Praxisteil zeige ich dann Messergebnisse und gebe Tipps für symmetrische und asymmetrische Hörräume. 


Grundlagen

Raummoden

Der Schall unterliegt Gesetzmäßigkeiten, die berechnet werden können. Raummoden entstehen durch Reflexionen von Schallwellen an den Wänden, Decken und Böden eines Raums. Diese Reflexionen führen dazu, dass sich Wellen in bestimmten Bereichen des Raums verstärken und in anderen Bereichen abschwächen. Bei einer halben Wellenlänge zwischen zwei parallelen Wänden tritt eine Erhöhung der Lautstärke (Peak) auf. Bei einer viertel Wellenlänge wird dagegen der Bass ausgelöscht (Dip).

Die Schallgeschwindigkeit hängt vom Medium ab, durch das sich der Schall bewegt. In der Luft bei 20°C beträgt die Schallgeschwindigkeit etwa 343 Meter pro Sekunde (m/s). Die Wellenlänge berechnest du so: Schallgeschwindigkeit in Metern pro Sekunde (m/s) / Frequenz in Hertz (Hz) = Wellenlänge in Metern (m).

Ein Beispiel für 100 Hz: 343 / 100 = 3,43 m. Bei 50 Hz verdoppelt sich die Wellenlänge auf 6,86 m. Bei diesen Wellenlängen im Bass wird klar, dass du in normal proportionierten Zimmern den Reflexionen nicht entkommst.

Glücklicherweise gibt es für die Kalkulation den hunecke.de | Lautsprecher-Rechner. Als erstes werden die Bauweise und Maße des Raums erfasst. Als zweites habe ich die Lautsprecher konfiguriert. In meinem Fall als klassisches Stereo Setup. Es können sogar Absorberelemente für den Nachhall konfiguriert werden – das war wahrscheinlich der ursprüngliche Zweck dieser Seite. Das Schöne ist, dass die Positionen der Lautsprecher, als auch der Sweet Spot beliebig mit der Maus verschoben werden können. Mit dem Verschieben ändert sich der angezeigte Frequenzbereich im Bass. Außerdem werden mit roten und grünen Quadern die besten Hörpunkte angezeigt.

Das Ziel liegt in einer möglichst gleichmäßigen Basswiedergabe. Bei kleinen Räumen eine Unmöglichkeit. Irgendwas ist immer. Deshalb kann man nur versuchen, die Peaks und Dips gering zu halten. Ein gleichseitiges Stereodreieck muss nicht immer sein, aber es muss mindestens gleichschenklig sein. Damit habe ich in anderen Räumen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Unten im Bild ist eine Erhöhung um 20 dB im Bass bei ca. 40 Hz zu sehen. Wird das nicht korrigiert, hast du einen dröhnenden Bum-Bum-Bass, der dann höhere Frequenzen überdeckt. Bei Techno kann das Spaß machen, nur deinen Nachbarn nicht. Es sind auch zwei Auslöschungen um 10 dB bei ca. 60 Hz und 70 Hz zu erkennen. Hier verliert der Bass an Substanz. Diese Hörsituation mit Raummoden wird bei den meisten so sein.


Praxis

Mein Vorgehensmodell bei der Einrichtung einer Anlage ist immer gleich:

  1. Gleichschenkliges Stereodreieck einrichten
  2. Genügend Abstand zu den Wänden (betrifft Boxen und Sitzposition)
  3. Möglichst raumakustische Behandlung zur Nachhalldämpfung
  4. Messen und korrigieren bis es passt

Das Messequipment

Die Hardware ist schnell zusammengestellt und beschreibe ich hier beispielhaft. Du kannst natürlich anderes Messequipment verwenden.

  • Steinberg UR12 (USB Audio Interface)
  • kalibriertes Messmikrofon Behringer ECM8000 von Acourate (verwende nur kalibrierte Mikrofone, sonst misst du die Fehler deines Mikros)
  • beliebiges XLR Male – XLR Female Mikrofonkabel (5-10m)
  • beliebiger Mikrofonständer

Unten im Bild sind die Anschlüsse des Steinberg UR12 abgebildet. Das Mikrofonkabel steckst du in die „1 MIC D-PRE“. Der „DIRECT MONITOR“ muss ausgeschaltet sein. Auf der Rückseite kannst du zwar ein 5V Netzteil an „5V DC“ anschließen, aber es ist nicht notwendig. Das Gerät kann den Strom auch vom Audio PC beziehen. Das USB Kabel vom Audio PC musst du an „USB 2.0“ anschließen. Der Verstärker muss beim Messen einen sogenannten LogSweep abspielen und wird daher über Cinch Stecker mit „LINE OUTPUT“ verbunden. Wichtig ist, dass das Mikro mit Strom (48V) versorgt wird. Achte daher darauf, dass der Schieberegler bei „+48V“ auf der Position „ON“ steht.

Das USB Audio Interface wird wie unten im Bild mit dem Verstärker und mit dem Audio PC verbunden. Also steht alles räumlich zusammen. Das Mikro stellst du genau in den Sweet Spot deiner Hörposition auf Ohrhöhe. Deshalb sollte das Mikrofonkabel lang genug sein. Ich bevorzuge die horizontale Ausrichtung des Mikros (0° – Mikro zeigt nach vorn). Die vertikale Ausrichtung (90° – Mikro zeigt nach oben zur Decke) ist eher was für Surround-Messungen. Komme bitte nicht auf die Idee den Mikrofonständer wegzulassen und das Mikro auf die Rücklehne des Sofas zu legen oder ähnliches. Da wird jede Messung zu ungenau.

Als Mikrofon verwende ich im Main Setup mittlerweile ein Earthworks M50 mit einem Frequenzgang von 3 Hz bis 50 kHz. Nachdem ich mit einem billigen Mikrofon Kabel Probleme bekam (Wackelkontakt), verwende ich ein hochwertiges symmetrisches Mikrofon-/Signalkabel der Schweizer Firma Vovox sonorus protect S.

Als USB Audio Interface nutze ich das RME Fireface UFX II. Es ist für meine Zwecke etwas überdimensioniert, aber richtig gut.

Angeschlossen wird das RME Fireface UFX II an eine JCAT USB Karte mit linearer Stromversorgung.

Am Beispiel von Acourate zeige ich dir folgend einige Messungen. Acourate gibt es nur für Windows. Acourate ist zwar nicht sehr benutzerfreundlich, wird aber auch von Profis genutzt. Eine Testversion kannst du dir hier herunterladen. Anleitungen und Tutorials helfen beim Ersteinstieg. Alternativ kannst du Messprogramme wie zum Beispiel REW oder CARMA nutzen. Eine Anleitung habe ich hier beschrieben: Wie du deinen Raum und die Lautsprecher misst.

Der symmetrische Raum

Der Grundriss

Am liebsten sind mir symmetrische Räume. In meinem Fall ein Rechteck mit 4,7 m x 3,7 m und einer Raumhöhe von 2,6 m. Unten im Bild ist meine erste Planung.

Wenn ich eins bei der Aufstellung der Lautsprecher gelernt habe, dann ist es die zentimetergenaue Beachtung der Symmetrie. Ich verwende dafür einen Laser Entfernungsmesser. Denn der Schall soll beim linken Ohr genauso zeitrichtig ankommen wie beim rechten Ohr. Das gelingt nur, wenn idealerweise die Rückenwand-/ und Seitenwandabstände und möglichst auch die Beschaffenheit exakt identisch sind. Hier kann man oder muss man sogar mit Absorbern und Diffusoren nachhelfen.

Da in meinem Raum an der kurzen Wandseite genau mittig ein bodentiefes Fenster ist und an den langen Wänden nichts, habe ich die Lautsprecher an der kurzen Wand aufgestellt.

Dieser Raum wurde speziell akustisch behandelt. Details findest du hier: Die Umsetzung meines neuen Hörzimmers.

Die Kohärenz (ICCC – Interchannel Cross Correlation)

Der ICCC (alt: IACC Interaural Coherence Coefficient) ist ein Anhaltspunkt dafür, wie gleich die beiden Stereokanäle spielen. Der Wert beinhaltet die Gleichartigkeit der Lautsprecher, wird dabei aber stark von Reflexionen im Raum beeinflußt. Insbesonders wenn die Aufstellung unsymmetrisch ist, verschlechtert sich der ICCC. Der Hersteller von Acourate Dr. Ulrich Brüggemann weist aber darauf hin, dass der ICCC aufgrund der zugrundeliegenden Mathematik und deren Unzulänglichkeiten nicht überbewertet werden soll.

Der eintreffende Schall in den ersten 10ms (ICCC10) soll nach meinen Erfahrungen für eine gute Stereoabbildung möglichst einen Wert über 80% erreichen. Das spricht für eine hohe Kohärenz des Schalls von links und rechts. Bei einem niedrigen Wert wie unten leidet die Stereoabbildung. Die Stimmen kommen zum Beispiel nicht von der Mitte, der Klang klebt an den Lautsprechern und die Bühne ist in der Breite und Tiefe unbefriedigend.

Unten im Bild sind es rund 85%. Je nach Hörentfernung (bei mir ca. 3 m) und Abstrahlcharakteristik der Lautsprecher sind andere Werte in Ordnung. Bei einer Entfernung von lediglich 2,2 m im anderen Hörraum hatte ich zum Beispiel einen ICCC10 von 97%! Mir gefällt aber der jetzige Abstand besser.

Der Nachhall

Der in modern eingerichteten Räumen mit raumtiefen Fenstern mit Abstand vernachlässigte Effekt ist der damit verbundene Nachhall. Hierunter leidet nicht nur der Musikgenuss, sondern auch die Sprachverständlichkeit. In meinem Hörraum verwende ich unterschiedliche Absorber und Diffusoren.

Der Lohn der Mühe ist ein sehr geringer Nachhall fast schon in Studionorm. Ab 400 Hz sind es 0,3 sek. (Studio 0,2 sek.). In Wohnräumen sollen als Faustformel 0,6 sek. nicht überschritten werden. Wenn ich meinen Hörraum betrete, bemerke ich sofort eine Dämpfung. Ich genieße die Abwesenheit von Lärm und halte mich dort auch ohne Musik gerne auf.

Die Sprungantwort

Eines der Probleme bei Mehrwegesystemen von Lautsprechern ist die akustische Phase, beziehungsweise das Timing der unterschiedlichen Chassis. Die Phase gibt den zeitlichen Verlauf einer Schwingung an und wird in Winkelgrad gemessen. 360° entsprechen einer ganzen Schwingung und 180° einer halben. Die Phasenlage der Lautsprecherchassis zueinander ist entscheidend, ob der Frequenzgang verstärkt, gedämpft oder gar komplett ausgelöscht wird. Die Auslöschung erfolgt bei einer Phasendifferenz von 180°, da dort ein Wellenberg mit einem Wellental zusammenfällt. Phasendifferenzen entstehen bei Mehrwegekonstruktionen, bei denen typischerweise der Hochtöner vorauseilt und Mittel- und Basschassis hinterherlaufen.

Manche Lautsprecherhersteller versuchen den Hochtöner zeitlich nach hinten zu verschieben. Beim Lautsprecher Sonus Faber Amati Futura ist zum Beispiel die Schallwand leicht nach hinten geneigt. Trotzdem ist die Sprungantwort nicht ideal. Der Hochtöner kommt zuerst (negative Polarität) und es folgen die Mittel-/Tieftöner.

Im Idealfall beginnt der erste Puls für alle Lautsprecherchassis gleich, siehe Bild unten (Sprungantwort ungeglättet). Was ich bisher noch bei keinem Testbericht gesehen habe, ist die Sprungantwort für beide Lautsprecher. Dabei ist genau das sehr wichtig, dass das Timing auch über den Zeitverlauf parallel verläuft.

Der Frequenzgang

Der Mensch hört „theoretisch“ zwischen 20 Hz bis 20 kHz. Leider lässt das Hörvermögen im Alter gerade im Hochton nach. Mittlerweile weiß man aus der Hirnforschung, dass höhere Frequenzen für den Menschen zwar nicht direkt, aber indirekt (vermutlich über die Hüllkurve) hörbar ist. Siehe: Was bringt HiRes, wenn der Mensch nur bis 20 kHz hört?

Deshalb ist ein Lautsprecher, welcher oberhalb der 20 kHz noch etwas wiedergeben kann, eine gute Sache. In der Grafik unten habe ich den unkorrigierten Frequenzgang in blau und den korrigierten Frequenzgang als fette Linie dargestellt. Die Amatis haben echten Tiefbass ab 20 Hz und gehen bis 30 kHz.

Die Peaks im Bass ab 40 Hz konnte ich gut glätten. Die Amatis fallen im Hochton schnell ab, welches dem Frequenzweichendesign geschuldet ist und „moderne“ Räume mit ihren schallharten Flächen erträglicher machen soll. Das ist bei mir mit der geringen Nachhallzeit nicht nötig und deshalb habe ich diesen etwas angehoben. Ansonsten ist der Frequenzgang gewollt nicht schnurgerade linear. Die Gründe kannst du hier nachlesen: Wie erstelle ich einen Faltungsfilter für die Raumkorrektur?

Mein Setup

In meinem Hörraum kann ich mich austoben. Das Equipment ist für den bestmöglichen digitalen Musikgenuss konzipiert. Wobei mir eine analoge lineare Stromzufuhr sehr wichtig ist, weil Schaltnetzteile den Strom zerhacken und oft Probleme wie einen hohen Ripple & Noise mit sich bringen. Der im Haushalt durch LEDs, Dimmer, Schaltnetzteile in Kühlschränken, TVs usw. verseuchte Strom wird wirkungsvoll durch einen GigaWatt PC4 EVO+ Conditioner gefiltert. Alle Computer (Control und Audio) werden von linearen Netzteilen gespeist. Das Netzwerk wird reclocked und ist für Audio isoliert. Leckströme über LAN wird über LWL (Lichtwellenleiter) vermieden. DSD1024 ist meine bevorzugte Wandlermethode, weil es sich sehr analog anhört. Der Vorverstärker und meine beiden Monos arbeiten breitbandig in Class A.

Der asymmetrische Raum

Der Grundriss

Das Bild unen zeigt, dass der Raum nicht symmetrisch ist. Hinzu kommen zum Balkon hin bodentiefe Fenster, die allerdings durch Vorhänge schon etwas entschärft sind. Was für das Wohngefühl zumindest für mich richtig cool ist, stellt akustisch doch einige Probleme dar. Allerdings dachte ich mit der Asymmetrie weniger Probleme mit stehenden Wellen zu haben.

Einfach auf die Couch setzen ist zwar gemütlich, bringt aber keinen guten Klang. Da habe ich mir doch was Feines ausgedacht: einen Sweet Spot davor, der rote Punkt im Bild.

Hat das geklappt? Schaun wir mal. Ein Vorteil ist immerhin, dass ich die TAD-CE1TX mit einem Abstand von 1m von den Seitenwänden plazieren konnte, also mit weniger Seitenwandreflexionen. Rückseitig bestehen 70cm Abstand (jeweils vom Hochtöner gemessen).

Die Kohärenz (ICCC – Interchannel Cross Correlation)

Beim ersten Versuch kam ein ICCC10 von 71,3% heraus.

Ich stellte fest, dass ich nicht ganz mittig gemessen hatte. Bei den schiefen Wänden ist das auch nicht so einfach. Nach der Korrektur der Sitzposition ließ es sich auf immerhin 74,7% steigern. Mein Wunsch wäre schon mindestens 80% an Kohärenz, aber es stehen halt auch Tische im Weg und so ist es immer ein Kompromiss mit schöner Wohnen und besser Hören.

Mit Acourate lassen sich auch störende Reflexionen analysieren. Die von Dr. Ulrich Brüggemann empfohlene Methode ist die Folgende: Man nimmt eine Schnur und spannt diese vom LS zum Mikrofon. Dann verlängert man die Schnur um den ermittelten Schallumweg, befestigt die Enden an LS und Mikro und spannt mit der Schnur ein Dreieck. Gesucht wird nun das Dreieck, welches dann mit einem vermuteten Reflexionspunkt zusammentrifft. D.h. andersherum, dass an einem Reflexionspunkt sich eben das Dreieck mit der gegebenen verlängerten Schnur aufspannen lässt.

Ehrlichgesagt hatte ich dazu keine Lust. Und so habe ich es falsch gemacht: mit einem Zollstock. Aber ich würde behaupten näherungsweise habe ich es getroffen. Links stehen zwei runde kleine und niedrige Wohnzimmertischchen im Schallweg die stören und rechts ein runder Esstisch mit drei Stühlen außerhalb des Schallwegs und nicht stören – dachte ich jedenfalls bisher.
Unten im Bild sind die grünen Impulsspitzen vom Essplatz (rechter Kanal) deutlich zu sehen.

Mit der Markierung am Anfang des Pulses (linke Maustaste) und der ersten grünen Spitze (rechte Maustaste) kann man dann rechts die Entfernung ablesen: 68cm. Schnell mit dem Zollstock vom Hochtöner angelegt und ja, bei ca. 70cm beginnt seitlich der erste Stuhl.

Bei 103,42cm ragt die Tischrundung etwas in den Schallweg hinein.

Bei 144,50cm gibt es mal Störungen von links (rot), welches der kleinere höhere Wohnzimmertisch sein könnte. Gleich dahinter noch ein roter Puls für den niedrigeren zweiten Wohnzimmertisch. Das macht sich aber deutlich weniger bemerkbar, obwohl beide im Schallweg sind.

Die restlichen grünen Spitzen betreffen ziemlich sicher den Esszimmertisch mit den drei Stühlen und vielleicht auch die Lampe über dem Esstisch. Was die Analyse für mich jetzt gebracht hat, ist die Erkenntnis, wie sehr der Essplatz die Kohärenz stört. Da entstehen mehr Reflexionen, als mir lieb ist.

Den akustisch störenden Essplatz kann ich nicht verändern, aber … die Boxen! Genauer die rechte Box. Hatte ich bisher eine Basisbreite von 3m, habe ich diese jetzt auf 2,7m geändert, indem ich den rechten Lautsprecher um 30cm vom Essplatz weggerückt habe.

Zu meiner Freude hat sich der ICCC10 auf 78,4% erhöht. Da fehlt nicht mehr viel, um auf 80% zu kommen. Die Korrektur nimmt zwar etwas weg, aber andere Dinge sind mir wichtiger.

Später ist ein schöner Berber-Teppich aus reiner Schurwolle ist eingezogen. Schurwolle hat neben der akustischen Dämpfung einige Vorteile. Die Wolle wirkt zum Beispiel antistatisch, was beim Vinylboden ein echter Segen ist. Endlich bekomme ich keine mehr gewischt, wenn ich meine Anlage einschalte.

Natürlich habe ich wieder akustische Messungen durchgeführt. Der Teppich hat meinen ICCC10 auf 79% erhöht. Zusammen mit der Convolution ergibt sich ein ICCC10 von > 80%, also Mission erfüllt.

Der eigentliche Hammer ist der Hocker vor dem Hörstuhl. Ich habe nämlich einmal mit und einmal ohne Hocker gemessen, um herauszufinden, ob der Hocker die Kohärenz (ICCC) beeinflusst. Nein tut er nicht, steht ja auch mittig und ist mit Stoff bezogen. Aber verblüfft war ich auf die Auswirkung beim Messen. Die Raummode bei ca. 50Hz war auf dem linken Kanal ohne Hocker ausgeprägter und es kam beinahe zum Clipping. Nun ist der Hocker innen hohl und so denke ich mir, da habe ich wohl zufällig die richtige Frequenz für einen Helmholtz-Resonator erwischt.

Der Nachhall

Ich habe mit aufgezogenen und zugezogenen Vorhängen gemessen. Da tut sich so gut wie nichts. Die Stores sind immer zu und vermindern offensichtlich bereits ausreichend die Reflexionen. Der Teppich reduziert geringfügig den Nachhall. Ab 300 Hz erreiche ich einen Nachhall von 0,5 sek. und erst sehr spät senkt es sich ab auf 0,3 sek. Das geht natürlich besser. Aber es handelt sich um ein Wohn-/Esszimmer und das erfordert Kompromisse.

ICPA (Interchannel Phase Alignment)

Eine meines Wissens einmalige Funktion in Acourate ist das „Room Macro 6: Interchannel Phase Alignment ICPA“. Üblicherweise erfolgt bei der Raumkorrektur die Messung und die Amplituden- und Phasenkorrektur jedes Stereokanals für sich allein. Es hat sich gezeigt, dass eine zusätzliche Verbesserung möglich ist, wenn im Anschluss beide Kanäle zusammen betrachtet und im Hinblick auf gegenseitige Wechselwirkungen optimiert werden. Dies gilt speziell für den Bereich der modalen Frequenzen bis max. 350 Hz, die sogenannte Schröderfrequenz.

Bevor eine digitale Korrektur durchgeführt wird, soll das Wiedergabesystem so symmetrisch aufgestellt werden wie möglich. Wenn kein eigener Hörraum vorhanden ist, sondern zum Beispiel das Wohnzimmer zum Hören genutzt wird, kommst du jedoch schnell an deine Grenzen. Eine nicht-mittige Aufstellung des Stereo-Dreiecks im Raum, L-förmiger Raum, unsymmetrische Aufstellungen von Möbeln und unsymmetrische Anordnungen von Türen und Fenstern sind oft die Regel.

Wenn es aufgrund der Unsymmetrie zu Dips (Auslöschungen) im Bass kommt, wird oft versucht durch eine Bassüberhöhung entgegenzusteuern. Dadurch muss der Basslautsprecher mehr arbeiten. Dabei wird auch die Energie des indirekten, aus dem Raum reflektierten Schalls auf unerwünschte Weise zu einer überhöhten Basslastigkeit hin verändert.

Acourate (V2) bietet eine zusätzliche Möglichkeit mit passenden Filtern das Hörergebnis zu verbessern. Diese Filter beeinflussen ausschliesslich den Phasengang über das Frequenzband, nicht jedoch den Amplitudenfrequenzgang. Die Verstärker müssen also weder mehr, noch weniger leisten. Auch der indirekte Schallanteil bleibt unverändert.

Das Diagramm enthält zusätzlich zu den Gruppenlaufzeiten drei Linien als Indikator für die Qualität (Q) der einzelnen Peaks. Die Linien mit Q1 und Q60 kennzeichnen insgesamt den zulässigen Bereich für die Auswahl eines Peaks, allerdings sollten Q-Werte >40 eher vermieden bzw. ignoriert werden.

Es gibt in Abhängigkeit der Q-Werte der Peaks zwei grundlegende Strategien. Bei kleinen Q-Werten unterhalb Q10 (orange Linie) wird der Peak durch ein Filter in demselben Kanal kompensiert. Bei Werten >Q10 und <Q60 erfolgt ein Filter auf dem jeweils anderen Kanal. Unten im Bild habe ich im rechten Kanal den Peak markiert und eine Korrektur simuliert und dabei dem linken Kanal zugeordnet, da oberhalb von Q10.

Die Sprungantwort

Die Sprungantwort ist vom Filterdesign und eben auch vom oben genannten ICPA abhängig. Unten im Beispiel ist die Sprungantwort über den Zeitverlauf besonders kohärent. Hat aber auch einen leichten Vorschwinger (die Linie vor dem ersten Puls). Hier muss man experimentieren.

Der Frequenzgang

Was war das vor der Korrektur für ein mumpfiger Klang. Die heftigen Bassmoden konnte ich wie unten im Bild zu sehen, sehr gut in den Griff bekommen. Was aber auch zur Wahrheit gehört ist, dass die Asymmetrie mich nicht vor stehenden Wellen bewahrt hat.

Die schwarze Linie zeigt den unkorrigierten Frequenzgang, die graue mit Korrektur. Hier lohnt sich eine Vollkorrektur. Der Frequenzgang geht von ca. 30Hz bis < 40kHz.

Mein Setup

Hier wählte ich einen GigaWatt PC3SE EVO+ Power Conditioner für die Stromfilterung. Aus Platzgründen werden die Computer (Control und Audio) von je zwei HDPLEX 250W GaN Passive AIO ATX Power Supplys gespeist. Das sind Schaltnetzteile, weshalb diese nicht am GigaWatt Power Conditioner hängen, sondern gefiltert von Auth EMX 503 an separaten Steckdosen. NAA mit NaoPi NEO wird als wichtiger Audio-Endpunkt mit linearem Strom versorgt. Das Netzwerk wird reclocked und ist für Audio isoliert. Leckströme über LAN werden über LWL (Lichtwellenleiter) vermieden. DSD1024 ist auch hier meine bevorzugte Wandlermethode. Der T+A Vorverstärker und der T+A Endverstärker arbeiten breitbandig in Class A.

Die Anlage steht an der Seite und erforderte längere Lautsprecherkabel. Die 6m waren für Bernd (fis Audio) kein Problem.

Faltungsfilter (Convolution)

Die Filter Erstellung ist der schwierigste Teil und durchläuft einige Iterationen. Selten passt es auf Anhieb. Du bewegst dich zwischen der Filter Generierung und dem Test hin und her.

Für den HQPlayer wählst du die höchste Samplerate aus, für Roon würdest du alle Samplerates markieren. Das Output Format ist je nach genutztem Player auszuwählen. Ich empfehle auch den Subsonic Filter zu aktivieren. Sonst pumpt gegebenenfalls die Membran des Lautsprechers im nicht hörbaren Bereich.

Die Faltungsfilter werden im WAV-Format erstellt, die du zum Beispiel im HQPlayer unter Matrix oder Convolution lädst. Ich erstelle nach dem Laden gern zur Kontrolle einen Plot. Abgebildet werden links die inversen Frequenzgänge. Hier sieht man sehr schön die Korrektur im Bass bei ca. 50 Hz mit -19 dB (ausgehend von -1 dB wegen Gain).


Zusammenfassung

Der Raum macht die Musik! Jeder Raum hat stehende Wellen, die zur Erhöhung oder Auslöschung von Frequenzen führen.

Die Kohärenz (ICCC – Interchannel Cross Correlation) gibt Aufschluss darüber, ob es Reflexionspunkte gibt, die dir die Räumlichkeit der Aufnahme versaut. Bei mir war es beim asymmetrischen Hörraum ein Esstisch mit Stühlen, der überraschend viel Einfluss hatte, obwohl er nicht direkt im Schallweg lag. Ein wenig Boxenschieben und das Problem war gelöst.

Der Nachhall ist in modernen Wohnräumen ein Problem. Bei zuviel Nachhall leidet die Sprachverständlichkeit und der Musikgenuss. Dabei können einfache Maßnahmen wie Vorhänge, Teppiche und Polstermöbel einiges bewirken. Der Nachhall lässt sich übrigens nicht elektronisch korrigieren.

ICPA (Interchannel Phase Alignment) ist für asymmetrische Räume ein nützliches Tool, weil es die Sprungantwort beider Lautsprecher synchronisiert.

Mit Faltungsfilter von Acourate kannst du das Timing deiner Lautsprecher wesentlich verbessern. Der Frequenzgang als Maß aller Dinge wird mit Faltungsfilter von Raummoden bereinigt und ermöglicht dir ein verfärbungsfreies Hören, ohne dass der Bass alles zukleistert.

Ohne Raummessung würde ich heute keine Anlage mehr einrichten. Der Vergleich des symmetrischen Raums mit dem asymmetrischen Raum hat mir einige Erkenntnisse beschert:

  • Eine Asymmetrie verhindert leider keine stehenden Wellen
  • Asymmetrische Räume erfordern zwar mehr Aufmerksamkeit bei der Einrichtung, aber durch Stühle rücken, Boxen schieben und elektronischen Korrekturmaßnahmen kann man das gut kompensieren
  • Alle Räume erfordern raumakustische Behandlungen

Du wirst mit einem klar akzentuierten Bass und einer herausragenden Räumlichkeit ohne Schärfen im Klang belohnt.


Quellenverzeichnis

In alphabetischer Reihenfolge:

QuelleInhalt
aktives-hoerenSchnurmethode für die Ermittlung von Reflexionspunkten von Dr. Ulrich Brüggemann
AudioVeroAcourate – der High-End-Audio-Werkzeugkasten
hunecke.de RaumakustikLautsprecher-Rechner

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