Jussi Laako, Signalyst, hat die neue Version 6 des HQPlayers veröffentlicht. Diese löst die Version 5.17.2 ab. Aufgrund der überschaubaren Änderungen ist ein Wechsel aktuell nicht erforderlich. Aber bestimmt später, wenn sich der Funktionsumfang ausweitet und du diese nutzen möchtest.
In den Grundlagen zeige ich dir die unterschiedlichen Produkte und im Praxisteil stelle ich den HQPlayer Embedded Version 6.0.1 vor.
Grundlagen
Signalyst
Signalyst wurde von Jussi Laako in Finnland gegründet und ist ein Lösungsanbieter für die hochwertige Audiowiedergabe bei Verbrauchern und für Mess-, Aufnahme- und Wiedergabesysteme für Tonstudios. Mehr als 30 Jahre seit dem ersten DAC-Design und 28 Jahre seit Beginn des HQPlayer Projekts sprechen für einen Menge Erfahrung des Entwicklers. Jussi Laako war bis 2018 Entwickler bei Intel. Davor war er bei Nokia tätig.
Der Hauptzweck des HQPlayers liegt im Upsampling des Quellmaterials mithilfe von sehr hochwertigen Filtern und Modulatoren zur Klangverbesserung. Siehe auch der Artikel in den Grundlagen: Audio PC Upsampling.
Nachfolgend beschreibe ich die einzelnen Produkte:
Signalyst Software Produkte HQPlayer Desktop
Unter den Endverbrauchern dürfte der HQPlayer Desktop das bekannteste Produkt sein. Es ist für die Betriebsysteme Windows, macOS und Linux erhältlich. Das Installationspaket enthält unter anderem auch den HQPlayer Client zur Steuerung, während der Desktop (Server) den eigentlichen Rechenkern beinhaltet. Enthalten ist auch das Handbuch.
Das Lizenzmodell ist einfach gehalten. Der Kunde kauft die Lizenz und kann diese für einen beliebigen Computer verwenden. Er kann die Lizenz auch auf unterschiedlichen Computern verwenden, aber nicht parallel. Ein Online Abgleich verhindert die missbräuchliche Verwendung. Die Lizenz ist unbefristet für die Version gültig, für die sie erworben wurde. Derzeit ist es die Version 6.0.1 und höher. Bisher war es so, dass erst dann eine neue Lizenz erworben musste, wenn die Versionierung einen höheren Sprung machte. In der Regel gibt es einen Rabatt. Man kann aber auch einfach die letzte Version behalten, da sie unbefristet nutzbar ist.
HQPlayer Embedded
Dieses Produkt war ursprünglich für Hardware Hersteller gedacht, die in ihren Audio Produkten ein Upsampling ermöglichen wollten. Das erklärt, warum die Konfiguration maximal Bedienerunfreundlich ist. Denn der Endkunde hatte damit nichts zu tun. Voraussetzung war bisher das Betriebssystem Linux, aber mit der Version 6 kann es auch auf Windows und macOS installiert werden. Der Vorteil liegt unter anderem darin, dass der Server komplett im Hintergrund läuft und keine grafische Bildschirmoberfläche erfordert. Im Grunde genommen ähnlich wie der Roon Server.
Für HQPlayer Embedded stellt Jussi Laako zusätzlich ein eigenes Betriebssystem kostenlos zur Verfügung: Das HQPlayer OS! Es basiert auf einen Low-Latency Linux Kernel und das Betriebssystem hat nur rund 20 Prozesse am Laufen. Zum Vergleich: Unter Windows 11 Pro kommst du ohne Probleme auf 160 Prozesse und mehr. Windows ist auch kein Echtzeit Betriebssystem und hat mit den Latenzen so seine Probleme. Deshalb schwören viele auf das audiophile abgespeckte HQPlayer OS, siehe meine Support Seite: Anleitung für das Update des HQPlayer OS.
Die Lizenz ist auf den jeweiligen PC beschränkt. Beim Kauf musst du deshalb den vom HQPlayer ermittelten Fingerprint eintragen. Das ist eine Hardwarekennung, die sich ändert, wenn du Komponenten tauscht oder einen anderen PC verwendest. Inoffiziell ist es wohl Standard, dass 1-2 Änderungen pro Jahr von Jussi Laako akzeptiert werden. Bei der Änderung des Fingerprints schreibst du einfach eine E-Mail an Signalyst und erhältst eine neue Lizenz.
Wenn sich bei dir häufiger etwas ändert, kaufst du zusätzlich den angebotenen USB Dongle. Dieser ersetzt dann den Hardwareabdruck des Computers. Die Lizenzen vom HQPlayer Desktop und HQPlayer Embedded sind untereinander nicht austauschbar. Achte deshalb vor dem Kauf, welches Produkt du verwenden möchtest.
HQPlayer Pro
Diese Version ist für die Tonschaffenden gedacht und ermöglicht die Speicherung von Upsampling Files, welche dann offline zur Verfügung stehen. Die HQPlayer Desktop und Embedded ermöglichen nur ein Echtzeit-Upsampling. Deshalb wird der HQPlayer Pro auch von manchen Endverbrauchern verwendet, um die eigene Musiksammlung zu veredeln.
Praxis
Was ist neu in HQPlayer Version 6?
Bei der Auswahl von Filtern wird jetzt eine kleine Agenda dazu angezeigt. Es gibt eine neue Reihe von Quell-Content-Cleanup-Filtern, um verschiedene Probleme in einigen der Inhalte zu behandeln. Eine der neuen Hauptkomponenten ist der hauseigene UPnP 2.0 AV-Stack, der mehr Flexibilität für die Funktionalität über eine breitere Palette von Hardware- und Betriebssystemplattformen bietet.
Gleichzeitig wechselt HQPlayer 5 in den Wartungsmodus, der zwei Jahre dauert. Neuentwicklungen werden nur noch ab der Version 6 zur Verfügung gestellt. Upgrades auf Version 6 sind über die Webshop-Seite verfügbar und für die zweijährige Wartungszeit verfügbar.
Agenda für die Upsampling Filter
Die unglaublich Zahl von Filtern macht die Auswahl schwer:
- 48 linear phase
- 4 intermediate phase
- 12 minimum phase
- 4 impulse optimal
- 3 closed form
Deshalb wird die Auswahl im HQPlayer Client (die Fernbedienung) jetzt mit einer kleinen Agenda unterstützt. Im Bild unten habe ich den Filter poly-sinc-xtr-short-lp markiert. In kleiner Schrift darunter findest du Hinweise über die Wirkungsweise:
- 5/5 timbre, transients
5 Punkte von 5 sind stehen für die höchste technische Qualität des Filters. Und zwar bezogen auf Transienten (Transients) und Klangfarbe (Timbre). Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal liegt bei Klangfarbe (Timbre). Hier wurde also technisch die höchste Punktzahl nach Ansicht des Entwicklers erreicht.
- Any
„Integer“ (Ganze Zahl) bedeutet, dass es nur ganzzahlige Verhältniskonvertierungen nach oben oder unten durchführen kann. Eine Quelle mit 44.1 kHz kann bei Filtern mit der Eigenschaft „Integer“ zum Beispiel nicht auf 192 kHz hochgerechnet werden. Richtig wäre ein Upsampling auf 176,4 kHz. „Integer up“ bedeutet, dass der Filter nur Conversions in höhere Raten durchführen kann, aber nicht in einen niedrigeren Satz (z. B. von 384 kHz auf 192 kHz). „Any“ unterliegt keinen Einschränkungen, welches bei diesem Filter der Fall ist.
- apod: Y
Ein Apodisationsfilters kann die Impulsantwort des ursprünglichen Dezimationsfilters durch einen andere (besseren) ersetzen. Dies ermöglicht das Ändern des Zeit- und Frequenzbereichsverhaltens des ursprünglichen Filters. Ein möglicherweise wichtigerer Punkt ist das Bereinigen des Aliasing-Bands bei den höchsten Frequenzen. Abhängig von den ADC / Mastering-Werkzeugen kann es zu einem gewissen Aliasing-Band am oberen Rand des Frequenzbands kommen. Dieser Filter ist also ein apodisierender Filter und Filter dieser Art sind bei einem Quellmaterial von 44.1/48kHz (1x Filter) sehr zu empfehlen.
In den Audio PC Grundlagen findest du weitere Informationen: Audio PC HQPlayer Filtereigenschaften. Dort steht zum Beispiel, dass der Filter poly-sinc-xtr-short-lp für Electronic, jazz, blues, pop, rock empfohlen wird. In der technischen Beschreibung ist nachzulesen: Short linear phase polyphase sinc filter with extreme roll-off and attenuation. Also ein sehr steiler Filter, womit ein sehr schmales Übergangsband (Transitionsbereich) erreicht wird. Die Dämpfung (attenuation) ist sehr hoch.
Playback Filter
Quell Cleanup Filter sind ein separater Satz von Filtern, die entwickelt wurden, um Dinge wie schlecht gemachte gefälschte HiRes-Files zu bereinigen. Dies sind sogenannte Vorprozessfilter, die auf Quellinhalte angewendet werden, bevor eine andere Verarbeitung stattfindet. Sie funktionieren unabhängig von den Upsampling Filtern.
In der Version 5 gab es nur den Umschalter für 20 kHz Filter ein/aus. Das bedeutete, dass du ein Musikstück mit einer Samplerate von 96kHz auf das Niveau von 44,1kHz begrenzen konntest.
Wir kennen die Kritik an manchen HiRes-Aufnahmen, wo mit einer hohen Bandbreite von zum Beispiel 96kHz geworben wird. Aufgrund der Nyquist-Frequenz wird der hörbare Bereich auf 48kHz beschränkt. Tatsächlich befindet sich manchmal eher das „übliche“ einer 44,1kHz Aufnahme (Nyquist-Frequenz 22,05kHz) darin. Und so stellt sich das unten im Bild dar, weil die Hälfte des möglichen Spektrums fehlt.
PCM 96kHz enthält nur ein Spektrum bis 22kHz, obwohl 48kHz möglich wären Jetzt hast du mehr Möglichkeiten für verschiedene typische Fälle. Dies ist insbesondere das Ergebnis von Leuten, die verschiedene HiRes Inhalte mit HQPlayer spielen und im Spektrogramm alle Arten von Problemen entdecken. Siehe hierzu mein Blog: Audio Spektrogramm-Analyse.
Auswahlschalter für den Playback Filter im HQPlayer Client Im Beispiel unten habe ich wieder eine HiRes Aufnahme mit 96kHz. Hier gehen einzelne Impulsspitzen bis 23kHz, der Rest ist Dither. Ich habe den Playback Filter auf 30k eingestellt und kann so die Impulsspitzen voll mitnehmen. Die jeweils linke Hälfte des Spektrogramms zeigt den Filter mit 20k, der die Transienten beschneidet und jeweils rechts den Filter mit 30k. Für diese Art der Anzeige musst du in der Konfiguration „Pre before meter“ aktivieren.
PCM 96kHz enthält nur ein Spektrum bis ca. 23kHz, jeweils links 20k und rechts 30k Filter Nehmen wir an, du hast Quellinhalte mit einer Samplerate von 192kHz. Tatsächlich sind nur 48k Originalmaterial drin. Dann kannst du zum Beispiel mit dem „2x“ -Bereinigungsfilter die Bandbreite von 48 kHz bis 96 kHz von Artefakten reinigen, die durch die schlechte Umwandlung im Mastering verursacht wurden. Der Upsampling-Filter befasst sich dann mit den Frequenzen über 96 kHz.
Diese Bereinigungsfilter werden bei der 1x-Quellrate (44,1/48kHz) umgangen, da in diesem Fall der Upsampling-Filter auch der Bereinigungsfilter ist.
UPnP AV 2.0
Die hauseigene UPnP AV 2.0 Schnittstelle (neueste Standardversionen), erforderte wohl einige Anstrengungen. UPnP (Universal Plug and Play) ist nur im geringen Maße standardisiert. Siehe meinen Blog: Was sind bessere Alternativen zu UPnP?
UPnP 2.0 enthält auch die OpenHome Funktionalität. Die unterstützten Geräte sind in der Kompatibilitätstabelle UPnP Control Point aufgeführt.
UPnP steht jetzt sowohl für den HQPlayer Desktop, als auch für HQPlayer Embedded zur Verfügung.
Zusammenfassung
Wenn die am PC einen Biidschirm angeschlossen hast oder einen Laptop betreibst, kannst du HQPlayer Desktop installieren. Für mehr Klangqualität und Steuerung per Fernbedienung nimmst du am besten HQPlayer Embedded, welche keine grafische Benutzeroberfläche hat. Neben Linux, kannst du es jetzt auch auf Windows oder macOS installieren. Die beste Version ist das HQPlayer OS, welches Embedded auf dem eigenen schlanken Linux Betriebssystem ausführt. Der HQPlayer Pro ist eher etwas für Musikschaffende.
Im HQPlayer Version 6 wurde bei der Auswahl der Filter eine kleine Agenda als Hilfestellung eingeführt. Der Playback Filter wurde um weitere Optionen angereichert, um Fake-HiRes zu bereinigen. Mit UPnP AV 2.0 kannst du jetzt auch zum Beispiel BubbleUPnP, JPlay oder Audirvana nutzen.
Insgesamt sind die Änderungen überschaubar, aber erfahrungsgemäß gibt es Weiterentwicklungen, die dann nur noch in der neuen Version 6 zur Verfügung stehen. Manche berichten von Performance-Steigerungen und Klangverbesserungen. Ich habe keinen A/B-Vergleich gemacht, aber die neue Version ist auf keinen Fall schlechter geworden. 😉
Quellenverzeichnis
In alphabetischer Reihenfolge:
| Quelle | Inhalt |
|---|
| HQPlayer Kompatibilitätstabelle UPnP Control Point | UPnP Control Point compatibility |
| Signalyst Startseite | Übersicht über die neuen Versionen vom HQPlayer |
Du hast Fragen oder möchtest etwas beitragen? Nutze das Kontaktformular
Oder schreibe per E-Mail an: info@griggaudio.de
Verpasse keinen Newsletter:
Disclaimer
Alle Informationen, die du unter Grigg Audio Solutions findest, wurden nach besten Wissen und Gewissen sorgfältig recherchiert und mit Quellenangaben belegt. Irrtümer sind jedoch nie auszuschließen. Wenn du die Informationen für eigene Nachbauten oder Softwareeinstellungen verwendest, machst du das immer auf eigene Gefahr. Wenn du Fehler findest oder dir etwas unklar ist: Melde dich!
DIY – Mach es selbst
Grigg Audio Solutions bietet Lösungen für die digitale Musikwiedergabe an. Aufgrund der Vielzahl von Lösungswegen und unterschiedlichen Zielbilder kann nur eine bestimmte Auswahl der Hardware und der Software vorgestellt und besprochen werden. Grigg Audio Solutions unterstützt ab sofort kostenfrei Do it yourself. Ein Support ist ausgeschlossen.
VG Wort – Autorenrechte
Der Autor Ronny Gabriel Grigg ist Vereinsmitglied bei VG Wort, München. In diesem Verein haben sich Autoren und Verlage zur gemeinsamen Verwertung von Urheberrechten zusammengeschlossen.
