(1) DAC pure (der typische Signalpfad in Delta-Sigma-Chips)
Im „normalen“ DAC Betrieb (OS – Oversampling) folgen wir der Verarbeitung einer Red Book Quelldatei. Die 44,1 kHz / 16 Bit Datei wird ohne Veränderung dem DAC bitperfekt zugefĂĽhrt.
I DAC-Chip 1. Oversampling-Stufe
Je nach DAC Design erfolgt eine Hochrechnung der Samplingrate auf das 8fache (8fs = 352,8 kHz) oder das 16fache (16fs = 705,6 kHz). Dies erfolgt meist in mehreren Stufen als FIR-Interpolation: 44,1 → 88,2 → 176,4 → 352,8. Oft kann der Anwender zwischen verschiedenen (einfachen) Filtern wählen.
II DAC-Chip 2. Oversampling-Stufe
Abhängig vom DAC Design erfolgt eine zweite sehr vereinfachte Oversamplingstufe, zum Beispiel mit dem 16fachen der 1. Oversamplingstufe, also zum Beispiel auf 11,2896 MHz (16 x 705,6 kHz). Dies geschieht meist durch das Kopieren desselben Samples so oft wie nötig. Oder mit einer linearen Interpolation (IIR) auf die Modulatorrate.
III DAC-Delta-Sigma-Modulator
Die digitalen Samples mit 0 und 1 gehen in den Eingangsdifferenzkonverter, welcher im hexadezimalem Wertbereich arbeitet. Dementsprechend kennt der digitale Modulator nur zwei Werte. Ein entstehender Messfehler wird integriert (im Bild engl. „Integrator“) und über eine Gegenkopplung schrittweise kompensiert. Die Anzahl der Integratoren bzw. die Anzahl der Gegenkopplungsschleifen charakterisieren die Ordnung des ΔΣ-Modulators. Je höher die Ordnung ist, umso stärker wird die Verschiebung des Rauschens, umso höhere Frequenzen können genutzt werden. Ein herkömmlicher Delta-Sigma-Chip hat meistens nur einen Modulator 3. Ordnung.
Der Komparator vergleicht, ob sein Eingangssignal größer oder kleiner als ein bestimmter Schwellenwert ist und gibt ein entsprechendes Ein-Bit Signal, den Bitstream aus. Dieser Bitstream wird an einen DDC (Digital-Digital-Converter) solange in eine Gegenkopplungsschleife (negative feedback) abgezweigt, bis die gewünschte Signalqualität erreicht ist. Dieser Vorgang wiederholt sich immer in derselben Modulatorrate, die gegenüber PCM sehr hoch ist. Im Beispiel sind es 11,2896 MHz (16 x 705,6 kHz = DSD256).
Angewendet wurde das DSD-Verfahren ursprĂĽnglich bei der Super-Audio-CD (SACD). Gespeichert wird dabei der direkteDatenstrom eines Delta-Sigma-Modulators, der mit 2,8224 MHz arbeitet. Das entspricht dem 64-fachen (DSD64) der Abtastrate von 44,1 kHz (Audio-CD/Red-Book) mit 16-bit-Puls-Code-Modulation (PCM).
IV DAC D/A-Wandlungsstufe
Der fertige Bitstream geht nun in den eigentlichen DAC (Digital-Analog-Converter). Dieser hat die Aufgabe den digitalen Datenstrom in ein analoges Signal zu wandeln. Höhere Frequenzen mit dem Rauschen werden durch ein analoges Filter für den Analogausgang entfernt. Als Ergebnis wird ein analoges Signal erzeugt.
Ausgewählte DAC Chips in der Praxis
Die Delta-Sigma-Modulation kann seit den 1970er Jahren mit den Fortschritten in der CMOS-Technologie preiswert umgesetzt werden. Delta-Sigma-Modulatoren werden von vielen groĂźen Halbleiterherstellern als fertige integrierte Schaltung angeboten.
ESS Sabre DAC Chips
Ein typisches Beispiel sind die ESS Sabre DAC Chips: SABRE Audiophile DACs – ESS Technology, Inc. Sehen wir uns den digitalen Signalpfad von dem ES9039MPRO Chip an.
Unten im Bild sehen wir, dass PCM ĂĽber S/PDIF (rot markiert) nach dem Lautstärkeregler (DSP – Digitaler Signal Prozessor) einem 8fachen Oversampling mit Filter unterzogen wird. Und zwar in zwei Stufen: 2x und 4x. Wenn die Eingaberate höher als 44,1 kHz ist, wird die entsprechende Anzahl von Stufen von Anfang an ĂĽbersprungen (Bypass). Wenn der DAC Chip also zum Beispiel 88,2 kHz erhält, wird die erste Stufe ĂĽbersprungen und die zweite Stufe (4 x 88,2 kHz = 352,8 kHz) durchgefĂĽhrt. Wenn die Rate 352,8 kHz oder höher ist, wird die 1. Oversamplingstufe komplett ĂĽbersprungen.
Die 352,8 kHz werden dann auf die Modulatorrate auf 5,6448 MHz interpoliert (16 x 352,8 kHz). Danach geht es zum Delta-Sigma-Modulator, der den Bitstream erzeugt. Im Bild nicht mehr gezeigt erfolgt die eigentliche Umwandlung von Digital zu Analog mithilfe eines analogen Filters.
DSD (blau markiert) kann alle Oversamplingstufen umgehen, wenn die Mindest-Samplingrate erreicht wird. Hier sollte es DSD128 (8 x 16 = 128 x 44,1 = 5,6448 MHz) sein. Leider gibt es keinen Bypass bei den Schritten Volume Control, THD Comp. und ASRC. Es erfolgt also weiter eine nachgelagerte Bearbeitung von DSD und das kann etwas problematisch sein. Jussi Laako empfiehlt fĂĽr ESS ein Upsampling auf DSD512, Quelle: https://community.roonlabs.com/t/using-hqplayer-desktop-vs-embeded/290152/3.
ES9039MPRO & ES9039PRO (esstech.com)
AKM’s Audio D/A Converters
Ebenfalls weit verbreitet sind die Audio D/A Converters von Asahi Kasei Microdevices (AKM). Sehen wir uns das Blockschaltbild vom AK4493SEQ Chip an. In Rot markiert geht PCM (vereinfacht) seinen Weg vom internen DSP (DATT / Soft Mute) ĂĽber den Interpolator zum Delta-Sigma-Modulator, der wieder den Bitstream erzeugt.
Im Grunde genommen zeigt sich das gleiche Bild wie bei ESS Sabre mit einem entscheidenden Unterschied: Wenn DSD (blau markiert) im bypass betrieben wird, dann wird DSD unberührt vom DSP am Interpolator und Modulator vorbei durchgeschleust. Das ist eine gute Sache, weil der externe Bitstream ohne weitere Bearbeitung durchkommt und der DAC nur noch die eigentliche Digital to Analog Conversion macht. Ob es so ist, hängt allerdings vom DAC Design insgesamt ab. Beim Selekt DSM | Network Music Players | Linn Deutschland mit dem Level1-DAC (DAC-Chip AK4493) ist es zum Beispiel nicht möglich, weil kein Weg am internen FPGA vorbeiführt und der Linn kein NOS (Non Oversampling) anbietet.
AK4493SEQ | Audio-D/A-Wandler | Audio-Komponenten | Produkte | Asahi Kasei Microdevices (AKM)
Texas Instruments (ehemals Burr-Brown) DAC Chips
Burr-Brown DAC Chips sind bei DAC-Herstellern sehr beliebt. Als Beispiel sehen wir uns diesen Chip an: PCM1795. PCM wird auf das achtfache (8fs = 352,8/384 kHz) hochgerechnet und geht dann in den Delta-Sigma-Modulator. Einen eigenen DSD-Pfad gibt es nicht.
Interessant ist, wie zum Beispiel T+A diesen DAC Chip im SDV 3100 HV Referenz Streaming DAC Vorverstärker (ta-hifi.de) verwendet. PCM wird ĂĽber einen eigenen DSP (Digital Signal Prozessor) auf das sechzehnfache (16fs = 705,6/768 kHz) hochgerechnet und dann erst dem PCM1795 zugefĂĽhrt. Dabei wird die 1. Oversampling-Stufe im DAC Chip umgangen. Freilich muss die 2. Oversampling-Stufe im DAC Chip erfolgen, um auf die Modulatorrate von 2.8224 MHz (DSD64) zu kommen. Das T+A interne Oversampling kann dabei ĂĽbergangen werden, wenn dem SDV 3100 HV Quellmaterial mit PCM 705,6/768 kHz zugefĂĽhrt wird. Der DAC schaltet dann automatisch in den NOS-Betrieb (Non Oversampling) um. Da zum Schluss der Modulator den Bitstream im Megahertzbereich erzeugt, ist es aber meiner Meinung nach kein „echtes“ NOS.
SLES248 PCM1795 32-Bit Datenblatt | TI.com
ROHM DAC Chips
Ein weiteres Beispiel ist dieser DAC Chip: New 32bit D/A Converter IC for Hi-Fi Audio Equipment | ROHM Semiconductor – ROHM Co., Ltd. Es handelt sich ebenfalls um einen Delta-Sigma-Chip. In den roten Kästchen ist der Weg von PCM markiert. Ăśber Audio Funkion Control geht es zum Upsampling ĂĽber FIR Filter und anschlieĂźend erzeugt der Delta-Sigma-Modulator den Bitstrom fĂĽr die Wandlung von Digital zu Analog.
DSD umgeht vorbildlich sämtliche DSP- und Upsamplingstufen und geht direkt zur Digital-Analog-Wandlung. Das neue Olympus I/O XDMI DAC-Modul von Taiko Audio enthält einen ROHM-Chip. Ob es dieses Modell ist weiß ich nicht, aber diesem DAC das DSD Format zuzuspielen, kann sich lohnen.
New 32bit D/A Converter IC for Hi-Fi Audio Equipment | ROHM